zum Inhalt

BUV bleibt gültig, wenn Gesundheitsfragen falsch vorgelesen wurden

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung bleibt trotz falsch beantworteter Gesundheitsfragen bestehen, wenn dem Versicherungsnehmer komplexe Gesundheitsfragen durch den Vermittler so schnell oder unvollständig vorgelesen wurden, dass er deren Sinn nicht voll erfassen konnte. Dies entschied der 7. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes Stuttgart (Akt.-Zeichen U 157/11).

Der Senat gab mit seiner Entscheidung der Berufung einer Tierwirtin statt, deren BU-Versicherung ihr auf Grund des Vorwurfes einer arglistigen Täuschung die Police gekündigt hatte. Im vorliegenden Fall hatte es sich so verhalten, dass die Versicherungsnehmerin den Gesundheitsfragebogen nicht selbst ausgefüllt hatte, sondern ihr die Fragen von einer Versicherungsvermittlerin vorgelesen wurden. Diese hatte dann den Bogen entsprechend der Angaben der Klägerin ausgefüllt. Die Klägerin gab an, dass ihr vor allem komplexe Fragen schnell und teilweise unvollständig vorgelesen worden seien, so dass sie diese in mehreren Punkten missverstanden hätte.

Fragen zu schnell vorgelesen, Fragebogen unübersichtlich

Die Klägerin hatte vor Vertragsabschluss ihrer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung an Depressionen gelitten. Die Versicherung hatte ihr vorgeworfen, die Fragen nach der Einnahme von Medikamenten und der Behandlung bei einem Facharzt für seelische Krankheiten wider besseren Wissens und somit arglistig mit „Nein“ beantwortet zu haben. Die Richter hielten der Klägerin jedoch zu gute, dass der Fragebogen äußerst unübersichtlich sei, so finde sich beispielsweise die Frage nach der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten im Abschnitt „Allergische Haut- und Atemwegserkrankungen“.

Zudem hatte der Senat die damalige Versicherungsvermittlerin als Zeugin geladen. Die Zeugin räumte selbst ein, dass sie sehr schnell vorlese und dies die Klägerin hätte überfordern können. Nach einer kurzen Demonstration schlossen sich die Richter dieser Auffassung vollumfänglich an. Als Quintessenz der Situation beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung kamen die Richter zu dem Ergebnis, dass die Klägerin die ihr zur Last gelegten Falschangaben irrtümlich und nicht, wie von der BU-Versicherung behauptet, arglistig gemacht habe. Aus diesem Grund bleibe der Vertrag des BU-Tarifs der Klägerin auch weiterhin in Kraft.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß beantworten

Auch wenn das OLG Stuttgart mit seinem Urteil die Rechte der Versicherten gestärkt hat, kann man Versicherungsnehmern nur eindringlich raten, Gesundheitsfragen des Versicherers immer vollständig und wahrheitsgemäß zu beantworten. So können nicht nur spätere Streitigkeiten und Prozesse verhindert werden. Denn wer seine private BU-Versicherung arglistig täuscht, dem wird die Police fristlos gekündigt und die bisher bezahlten Beiträge sind verloren. Viel schlimmer wiegt jedoch, dass auch der Schutz vor der Berufsunfähigkeit entfällt und man die finanziellen Folgen im Ernstfall allein tragen muss.

BUV Vergleich nutzen

Manche Interessenten an einer BUV fürchten, entweder garnicht von einer BU-Versicherung aufgenommen zu werden oder wenige Leistungen zu hohen Beiträgen zu erhalten, wenn sie die Gesundheitsfragen des Versicherers wahrheitsgemäß beantworten. Dies ist jedoch oft unbegründet. Den Betroffenen hilft ein umfassender BU-Vergleich, mit dessen Hilfe sie die BU-Police finden, die ihnen ein Maximum an Leistungen garantiert. Den Vergleich kann man unkompliziert mit Hilfe eines BU Vergleichsrechners durchführen, wie ihn auch MISTER FINANCE anbietet.

Weitere Artikel aus dieser Kategorie